Neubau = sorgenfrei? Wir dachten das auch – bis unser Bauträger insolvent ging.

Warum deine Neubauwohnung nicht automatisch sicher ist – unsere Harfid-Erfahrung. Was wir erlebt haben, zeigt, warum du beim Immobilienkauf nie blind vertrauen solltest.

Wir wollten in eine Neubauwohnung investieren: eine moderne Immobilie, energetisch top, provisionsfrei und direkt vom Bauträger. Alles klang seriös: eine große Firma, eine gute Lage und schöne Pläne. Harfid trat professionell auf und hatte Referenzprojekte sowie solide Verkaufsunterlagen vorzuweisen. Wir fühlten uns sicher – wie so viele andere auch.

Doch dann kam alles anders: Unser Bauträger, die Harfid GmbH, meldete Insolvenz an. Die Baustelle stand still. Die Zahlungen liefen bereits. Der Schock war groß. Wir standen vor einer halbfertigen Immobilie mit offenen Fragen, existenziellen Sorgen und einem Gefühl des Kontrollverlusts.

Was dann folgte, war für uns ein Crashkurs in Insolvenzrecht, Bauvertragsprüfung und Nervenstärke. In Gesprächen mit Anwälten, anderen betroffenen Käufern und neuen Baupartnern haben wir gelernt, worauf es wirklich ankommt – und genau dieses Wissen wollen wir jetzt weitergeben.

Warum ein Neubau kein Selbstläufer ist

Viele Menschen verbinden mit einem Neubau Sicherheit und Sorglosigkeit – schließlich ist alles neu, technisch auf dem neuesten Stand, und der Bauträger kennt sich aus, oder? Dabei kann genau das Gegenteil eintreten. Gerade bei großen Neubauprojekten treten häufig Probleme auf:

  • Verzögerungen bei Genehmigungen
  • Materialknappheit und Kostensteigerungen
  • Insolvenzgefahr bei schlecht kalkulierten Bauvorhaben
  • Mangelhafte Kommunikation zwischen Bauträger, Behörden und Käufern

Die Realität zeigt: Neubauprojekte erfordern aktive Kontrolle und vorausschauende Planung durch die Käufer:innen – und nicht nur Vertrauen.

Wir haben gelernt: Sicherheit entsteht nicht durch schöne Exposés, sondern durch klare Prüfprozesse. Es geht darum, die wirtschaftliche und rechtliche Substanz hinter dem schönen Werbebild zu durchleuchten. Und genau diese Prozesse kannst du lernen.

Die typischen Risiken beim Neubaukauf

Zahlung nach Baufortschritt, aber kein Baufortschritt in Sicht!
Viele Käufer zahlen gemäß dem Zahlungsplan der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV), ohne zu überprüfen, ob der tatsächliche Baufortschritt dem Rechnungsstand entspricht. Gerät ein Projekt ins Stocken, hat der Käufer oft bereits einen Großteil des Kaufpreises geleistet – ohne Sicherheiten.

    Vertraglich schwache Absicherung
    Bauträgerverträge sind juristisch komplex. Viele Klauseln benachteiligen den Käufer oder enthalten keine klaren Regelungen für Krisenfälle. Rücktrittsrechte, Sicherungseinbehalte und Vertragsstrafen bei Verzug fehlen oft oder sind unklar formuliert.

    Falsches Vertrauen in Größe und Bekanntheit
    Große Namen schützen nicht vor Insolvenz. Harfid war ein renommierter Name im Ruhrgebiet mit einem hohen Projektvolumen und vielen Einheiten. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, steigende Baupreise und falsche Kalkulationen können jedes Unternehmen treffen.

    Intransparente Kommunikation
    Wenn es Probleme gibt, wird häufig nicht offen kommuniziert. Käufer erfahren oft zu spät von Verzögerungen oder finanziellen Engpässen. Bei Harfid bekamen viele Käufer Informationen nur über Dritte oder durch eigene Recherche.

    Verlorene Zeit, verlorenes Vertrauen, verlorenes Geld.
    Neben dem finanziellen Schaden ist der emotionale Stress nicht zu unterschätzen. Die Ungewissheit, die Abhängigkeit von rechtlichen Verfahren und die Unsicherheit bezüglich der Fertigstellung können zermürbend wirken.

    3 konkrete Learnings aus unserer Harfid-Erfahrung

    • Prüfe den Bauträger wie ein Unternehmen. Recherchiere Handelsregisterauszüge, Unternehmenshistorie, Geschäftsführerwechsel und Beteiligungen. Gibt es Presseberichte über Probleme? Wie viele Projekte hat das Unternehmen in den letzten Jahren realisiert – und wie erfolgreich?
    • Verstehe den Zahlungsplan. Zahle niemals blind. Jeder Zahlungsschritt sollte an den realen Baufortschritt gekoppelt sein – im Idealfall durch eine unabhängige Baubegleitung bestätigt. Prüfe, ob Rücklagen oder Sicherungseinbehalte möglich sind. Informiere dich über die MaBV und § 650m BGB.
    • Plane immer einen Plan B. Wer übernimmt, wenn der Bauträger insolvent ist? Gibt es eine Fertigstellungsgarantie? Kennst du Baufirmen, die notfalls einspringen könnten? Wie wird der Bau verwaltet, wenn der Generalunternehmer ausfällt? Wir mussten diese Fragen im Krisenfall beantworten – du solltest sie vorher stellen.

    Was du konkret tun kannst – unsere Checkliste

    Wir haben nach der Harfid-Insolvenz gemeinsam mit Fachleuten eine 12-Punkte-Checkliste entwickelt, die dir hilft, dein Risiko deutlich zu reduzieren:

    • Bonitätsprüfung des Bauträgers
    • Analyse der Baugenehmigung & Zeitplanung
    • Prüfung der Bau- und Leistungsbeschreibung
    • Sicherheiten im Vertrag
    • Zahlungsplan nach MaBV prüfen
    • Baubegleitung organisieren
    • Rücktrittsrechte klären
    • Fertigstellungsgarantie fordern
    • Notfallplan (B-Auftragnehmer) festlegen
    • Rücklagen für Verzögerung einkalkulieren
    • Rechtsberatungen einholen vor Unterschrift
    • Kommunikation mit anderen Käufern aufnehmen

    Diese Checkliste stellen wir dir als kostenlosen PDF-Download zur Verfügung.

    Vertrauen ist gut – Prüfung ist besser

    Ein Neubau kann eine großartige Investition sein. Aber er ist kein Selbstläufer. Unsere Harfid-Erfahrung zeigt: Wer vorbereitet ist, schützt sein Kapital – und seine Nerven. Dabei geht es nicht darum, sich vordergründig zu fürchten – sondern darum, Verantwortung zu übernehmen.

    Mit RONAVIS möchten wir mehr Transparenz schaffen und andere Käufer sensibilisieren. Denn Immobilien sollten nicht nur schön aussehen, sondern auch solide gebaut und rechtlich stabil geplant sein.

    Eine Antwort zu „Neubau = sorgenfrei? Wir dachten das auch – bis unser Bauträger insolvent ging.”.

    1. Danke für den tollen Artikel👍👍Verkaufe eine Wohnung: hier gibt es auch einiges zu beachten.😗😗

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